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Hausaufgabe: Fragen stellen

24. Oktober 2011
by

Ich wollte hier mal Platz schaffen um die Fragen hochzuladen 🙂

1. Wird durch den Leitartikel und die vorgestellten Strukturen ( Meinung/Ansicht des Chefs bei bestimmten politischen Themen muss mit eingearbeitet werden) die Objektivität der Zeitung nicht maßgeblich „beschädigt“ ? [Frage von Anja Bettina Dehn]

Das habe ich vielleicht etwas komisch ausgedrückt. Man muss die Meinung des Chefs nicht einarbeiten. Allerdings hagelte es in dem genannten Fall um die Berichterstattung zum A39-Protest Kritik, weil wir das nach Ansicht des Chefredakteurs zu groß und zu prominent platziert hatten (Seite 3, Aufmacher) Natürlich wird dadurch auch die Objektivität beschnitten, wenn sich der Chef sich vor der Veröffentlichung mit seiner Meinung durchsetzt. Grundsätzlich wird die Objektivität durch journalistische Standards gewahrt – soweit es eben geht (Mehrere Quellen nutzen und nennen, Fakten prüfen usw.) Aber jeder Redakteur bring natürlich auch etwas von seiner Subjektivität ein. Das ist ja auch Aufgabe der Journalisten, das sie Sachverhalte bewerten und einordnen, das geht nicht bei absoluter Objektivität.

Außerdem gibt es in einigen Blättern bestimmte Linien, die gesetzt sind (Das Bsp. von Springer „Wir berichten pro Tempelhof“. Das gibt es in der LZ nicht, aber trotzdem bestimmt der Chefredakteur, Herr Steiner, in letzter Instanz die Gewichtung der Berichterstattung. Da fließt dann immer auch persönliche Meinung mit ein und ja, dadurch geht auch Objektivität verloren. Aber es es wird in der LZ niemandem vorgeschrieben, welche Meinung er oder sie haben muss. Bei Kommentaren wird notfalls eben ein Pro und Kontra realisiert.

2. Auf welche Weise findet „Zensur“ statt?

Durch Auswahl der Themen, der Ansprechpartner, die der Journalist dazu wählt, durch den Raum, dem der Autor der jeweiligen Seiten in seinem Text gibt. 

3. Inwiefern wird Kritik einzelner LeserInnen angenommen?

In Leserbriefen können Leser ihre Meinung äußern, sofern sie niemanden beleidigen. Außerdem gibt es das Lesertelefon, dort nehmen Redakteure Kritik entgegen. Ich persönlich nehme es schon ernst, wenn mir jemand gut begründen kann, wenn er sich ungerecht behandel fühlt oder etwas schief gelaufen ist. Dann kann man eine Richtigstellung verlangen, die wir auch umsetzten. Je konkreter und nachvollziehbarer die Kritik ist, desto besser lässt sie sich umsetzen. Wenn es einfach nur heißt: „Machen sie doch mal mehr über Tiere“ gehen wir darauf nicht ein, denn der Nächste verlangt genau das Gegenteil.

4. Ist es festgelegt, wie viel Werbung auf einzelne Seiten kommt bzw. wie viel Werbeanzeigen in die gesamte Zeitung kommen?

Hier die Antwort von Herrn Jenckel: Nein, die Platzierung darf nur nicht den Text auf jeder Seite erschlagen und muss noch eine Aufmachung für Artikel möglich machen. Generell leidet auch die LZ unter Anzeigenrückgängen gerade im Rubrikenmarkt.

5. Ist Zeitung ein geschützter Begriff? Ab wann darf man seine Zeitung eine Zeitung nennen?

Herr Jenckel: Nein, ich find Zeitung scheiße!


 

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28 Kommentare
  1. Studi permalink
    7. November 2011 21:58

    Müssen alle auf den Fotos (z.B. vom Markt in Lüneburg) zu sehenden Passanten nach einer Genehmigung zur Veröffentlichung gefragt werden?

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 12:31

      Das kommt drauf an. Grundsätzlich hat jeder das sogenannte „Recht am eigenen Bild“, wenn also eine Marktfrau und eine Kundin im Vordergrund des Bildes zu sehen sind, also der Fokus des Bildes eindeutig auf diese Frauen gelegt ist, dann müssen Sie gefragt werden. In der Regel sind das in der LZ dann ohnehin Menschen, mit denen man vorher gesprochen hat, das ist unproblematisch. Passanten, die zufällig im Hintergrund noch zu erkennen sind, müssen nicht gefragt werden. Ähnlich bei Demonstrationen. Das sind öffentliche Veranstaltungen, wer teilnimmt, darf auch Teil der Berichterstattung werden. Allderdings gilt: Wenn ein Demonstrant in den Fokus gerückt wird (Bsp ein Plakattträger der als einziger scharf auf dem Foto zu erkennen ist), muss er seine Einwilligung geben. Ich kann nochmal nachschauen, ob ich die entsprechenden Gesetzes-Artikel finde und nennen kann.

  2. Studi permalink
    7. November 2011 07:35

    Wie ist die Strategie der Zeitungen um auf die Online-Konkurrenz zu reagieren?

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 13:11

      Wüsste ich auch gerne 😉 Ich mach mich schlau und antworte dann oder Herr Jenckel.
      Seine Antwort: Wir verstärken unserer Online-Aktivität massiv, um Reichweite, aber auch neue Märkte zu erschließen.
      In Kürze kooperieren wir mit einer GmbH, die sich auf Bewegtbilder versteht, und die LZ-online befeuern soll.
      Damit finden wir auch neue Wege, alte Werbekunden vielleicht zurückzugewinnen.

  3. Studi permalink
    6. November 2011 21:05

    Wie wird man Redakteur?

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 13:09

      In der Regel durch ein abgeschlossenes Studium und ein anschließendes Volontariat (Dauer 2 Jahre), es gibt außerdem Journalistenschulen und natürlich Quereinsteiger, die besonders talentiert sind. Letztere zählen allerdings zu einer schwindenden Gruppe, weil die Jobs in der Medienbranche begehrt sind und die Zahl der Bewerber die der freien Stellen überschreitet. das Volontariat muss man übrigens auch dann machen, wenn man Journalistik studiert hat, manchmal ist es sogar Teil des Studiums.

  4. Studi permalink
    6. November 2011 19:44

    Können Informationen aus sozialen Netzwerken in einem Artikel mit eingebaut werden?

  5. Studi permalink
    6. November 2011 18:17

    Gibt es bei der Landeszeitung ausschließlich Festangestellte oder auch Freiberufler, die auf „Abruf“ recherchieren u. Artikel verfassen?

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 13:04

      30 Festangestellte und geschätze 10 Freie

  6. Studi permalink
    6. November 2011 18:13

    Was macht einen GUTEN Tageszeitungsartikel aus?
    Gibt es spezielle Kriterien, die man beim Schreiben beachten kann/ muss?

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 13:02

      Ein guter Text muss den Leser in den Bann ziehen. Wie das funktioniert, das lernt man in der praktischen Ausbildung, dem Volontariat. Das dauert zwei Jahre und deshalb kann ich die Frage auch nicht in aller Ausführlichkeit beantworten. Jedes Genre hat auch seine speziellen Anforderungen. Ein Bericht sollte ganz neutral sein, ein Kommentar dagegen besticht ja gerade durch die Meinung des Redakteurs. Grundsätzlich gilt: Um den Leser mit auf den Weg zu nehmen, muss man das Kopfkino anregen und das erreicht man, indem man kräftige Verben benutzt und möglichst wenig Adjektive. Außerdem sollte man möglichst aktiv schreiben, nicht passiv („Sie nimmt den den Apfel aus dem Korb“ statt „Der Apfel wird aus dem Korb genommen“ – daran lässt sich auch gut erkennen, wie schwammig der Satz im Passiv wird (Wer nimmt den Apfel? wird nicht gesagt), auch abgedroschene Wortkombinationen sind Tabu (Das Tanzbein schwingen, es regnet Bindfäden usw.), weil der Leser dann das Gefühl hat: „Das ist nix neues, was da steht habe ich schon 100 Mal gelesen.“ Statt „es regnet Bindfäden“ könnte man lieber schreiben „es regnet so stark, als würde er unter der Dusche stehen“, das ist jetzt sicher nicht die schönste Formulierung, aber ich hoffe, daran wird deutlich, was ich meine, denn bei Dusche hat wohl jeder von Euch ein eindeutigeres Bild im Kopf als bei Bindfäden, die vom Himmel regnen – oder? Wer sich weiter für das Thema interessiert: Es gibt gaanz viel Fachliteratur, z.B. von Wolf Schneider

  7. Studi permalink
    6. November 2011 17:46

    Wie sieht der Tagesablauf in der Redaktion aus? Wann werden die letzten Aktualisierungen gemacht bevor die Zeitung in den Druck geht?

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 13:18

      Das hatte ich bei meinem Besuch neulich eigentlich schon erklärt. Sprich mich gern nochmal an, wenn Du in der Redaktion bist. ansonsten mache ich mich mal auf die Suche nach einem Film, der das gut erklärt und lade ihn hier hoch…

  8. Studi permalink
    6. November 2011 15:28

    Können sich Kinder an der Gestaltung der Rubrik „Kindernachrichten“ beteiligen? Wenn ja, in welcher Form? [Lisa Fricke]

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 12:45

      Wir haben das mal gemacht, aber das ist ein enormer Aufwand für die Redaktion, weil
      a) Texte von Kindern in der Regel nicht so übernommen werden können, wie sie geliefert werden
      b) die Beitrage thematisch sowie in Länge und Form in die Zeitung passen müssen
      c) wir zu wenig Redakteure haben, als dass einer eine Kindergruppe in der Intensität betreuen könnte, in der es nötig wäre.

  9. Studi permalink
    6. November 2011 12:37

    Es gab mal in der Lüneburger Landeszeitung das Beispiel einer unglücklich platzierten eon Werbung. Wie konnte dies passieren bzw. wie wird üblicherweise sicher gestellt, dass dies nicht geschieht?

    Ich glaube e.on hat ab und zu nen unglueckliches Haendchen wenns um Werbung geht #eon #gas #auschwitz

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 13:16

      Herr Jenckel: Unglückliche Anzeigen-Platzierung ist freundlich umschrieben. Es war für die LZ ein Gau, es war beschämend, aber auch lehrreich. Seither haben die Redakteure bei manchen Themen eine Schere im Kopf, weil sie überall eine Kollision von Anzeigen- und Text-Bild-Inhalten für möglich halten. Gelernt hat die LZ bei diesem Unglück aber auch die Macht des Mediums Internet, und das schon vor Jahren.
      Innerhalb von 24 Stunden fand sich unter LZ und Lüneburg bei Google eine Trefferquote im sechststelligen Bereich, die von Tag zu Tag noch inflationär wuchs. So viele Briefe und Telefonate wegen einer Anzeige werden hoffentlich nie weider geführt. Der Blick ist geschärft.

  10. Studi permalink
    5. November 2011 17:55

    Gibt es Tage an denen in der Redaktion „krampfhaft“ nach Themen für den nächsten Tag gesucht werrden muss?

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 12:42

      Ja. Vor allem in den Sommerferien haben wir eine redaktionelle Durststrecke, weil meist auch die Politiker Sommerpause haben, in den meisten Firmen und Behörden kaum Neues auf den Weg gebracht wird, Ansprechpartner fehlen usw. Da greifen wir dann gern auf zeitlose Geschichten oder Serien („Die schönsten Ausflugsziele der Region“ o.ä.) zurück

  11. Studi permalink
    5. November 2011 17:52

    Wie will die die Landeszeitung in Zukunkt auf die sinkenden Leserzahlen reagieren (Online- Angebote, Apps, Werbung u.a.)? [Kim Jasmin Gamlien]

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 13:14

      Herr Jenckel: Aus dem Zeitungsverlag LZ wird schnell ein Medienhaus, dass auf allen Kanälen sein Publikum erreicht, überall und 24 Stunden. Also ja zu mehr Online, mehr App, mehr iPad. Denn angesichts des demoskopischen Wandels und der veränderten Gesellschaftsstruktur (mehr Singles, mehr Alleinerziehende, mehr Geschiedene, mehr Städter) ist es für eine Tageszeitung wie die LZ schwer, als reines Printprodukte alle Zielgruppen zu erreichen. Die teuren Inhalte müssen durch viele Kanäle geschickt werden — die Frage ist nur, welche davon kostenpflichtig, welche frei bleiben. Zurzeit dient online der Reichweitensteigerung von Inhalten.

  12. Studi permalink
    31. Oktober 2011 16:05

    Welche Rolle spielen große Betriebe wie Aldi, welche ihre Werbung in die Zeitung legen? Wie kommen solche „Deals“ zu Stande?

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 12:40

      Das übernimmt die Anzeigenabteilung. Die Konzerne zahlen für die Beilage und Verteilung, ebenso wie klassische Anzeigen sind die Beilagen ein Teil der Finanzierung. Große Konzerne arbeiten meist selbst mit Agenturen zusammen, die dann wiederum an die Zeitungen heran treten.

  13. Studi permalink
    31. Oktober 2011 08:04

    Wie viele der Artikel sind „gekauft“ und nicht selber recherchiert? (Im Bezug auf die Artikel aus Deutschland und der ganzen Welt?)

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 12:37

      Alle sind gekauft und werden anschließend von den Redakteuren der Mantelredaktion nur redigiert, mit seltenen Ausnahmen.

  14. Studi permalink
    30. Oktober 2011 21:24

    Wie ist die Auflagenanzahl der LZ im Verhältis zu anderen regionalen Zeitungen zu bewerten?

    • sandrabengsch permalink
      8. November 2011 12:36

      Herr Jenckel: Für die Tages- und Wochenzeitungen liegen die Gesamtverkäufe im dritten Quartal 2011 unter dem Vorjahresniveau: Von den deutschen Tageszeitungen wurden durchschnittlich pro Erscheinungstag 21,78 Mio. Exemplare verkauft. Die Tagespresse verliert damit gegenüber dem Vorjahr rund 3,40 Prozent ihrer verkauften Auflage (3/2010: 22,55 Mio. Exemplare). Der Rückgang der Gesamtverkäufe geht hauptsächlich zulasten der Kioskverkäufe der Tagespresse (3/2011: 6,26 Mio. Einzelverkäufe – gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 7,21 Prozent).
      Bei der LZ waren es 1,4 im dritten Quartal, im zweiten Quartal 0,6 Prozent
      Die Auflage liegt jetzt bei Mo bis Sa. bei 31400 Exemplaren verkaufte Auflage.

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